Alles anders?

Passend zum New-Work Zeitgeist ist Agile Leadership ist in aller Munde. In der sich wandelnden Arbeitswelt ist das Thema Führung (engl. Leadership) natürlich sehr zentral. Keine Überraschung also, dass auch aus der agilen Bewegung dazu ein Ansatz existiert, der einen neuen Führungsstil propagiert.

In der Tat stellen die immer komplexer werdenden Märkte Unternehmen vor große Probleme. Damit Unternehmen mit dieser Dynamik umgehen können, müssen sie etwas ändern. Da werden mir viele sicher zustimmen. Aber was ist dieses Agile Leadership überhaupt? Und können Appelle an Führungskräfte, sich anders zu verhalten, wirksame Lösungen bringen?

Ich habe am 3. Dezember 2020 bei der Tools4AgileTeams Konferenz meine Gedanken dazu in einem Vortrag geteilt.

Das Vortragsvideo findest Du direkt hier. Vielen Dank an //SEIBERT/MEDIA für’s Veröffentlichen:

Vortragsvideo „Agile Leadership – Braucht man das?“ von der Tools4AgileTeams am 3. Dezember 2020.

Agile Leadership in aller Kürze

Der Agile-Leadership-Ansatz setzt direkt am Verhalten von Führungskräften an. Wohlgemerkt bei Führungskräften nach dem tayloristischen Denkmodell, in dem Menschen durch Führungskräfte geführt werden müssen. Das führt unweigerlich dazu, dass Du Fehler bei Personen suchst, anstatt in den Strukturen. Diese Personifizierung von Schuld bringt Dich aber selten weiter. Ich möchte an der Stelle Dr. Gerhard Wohland zitieren: „Solange Schuldige (oder Helden) gebraucht werden, um eine Situation plausibel zu erklären, ist sie noch nicht verstanden“ [1].

Dadurch hält das Agile Leadership Konzept das Narrativ zentralisierter Unternehmenssteuerung aufrecht. Das Unternehmen als pyramidiales Organigramm. Diese Zentralisierung ist bei hoher Veränderungsintensität hemmend. Entscheidungswege werden verlängert und Wissen konzentriert sich an den falschen Stellen. Das entzieht den direkt am Markt agierenden Bereichen des Unternehmens letztlich die Verantwortung, wichtige Entscheidungen direkt zu treffen.

Unter hoher Marktdynamik ist es allerdings effektiver, zu dezentralisieren. Dezentralisierung muss strukturell hergestellt werden; Appelle nutzen da wenig. Der Agile Leadership Ansatz lässt aber das Unternehmen strukturell weitgehend unangetastet.

Nicht zuletzt wirkt der Agile Leadership Ansatz wie esoterische Effekthascherei denn er ignoriert wichtige soziologische Zusammenhänge. Darum verhallt er meist wirkungslos wie ein hohler Appell. Er bietet Dir keine wirkliche Hilfe, um Unternehmen als die sozialen Systeme zu begreifen, die sie sind.

Bevor Du also in die Denkfalle tappst, kannst Du Dich der weitaus effektiveren Systemarbeit widmen. Am Verhalten von Personen (und möglicherweise sogar deren Charaktereigenschaften) anzusetzen, hat neben einigen direkten negativen Effekten, meist kaum die erhoffte Wirkung.

Auf dem Blog von //SEIBERT/MEDIA findet Ihr den vollständigen Artikel inklusive des Videos.

Referenzen

  1. Denkwerkzeuge der Höchstleister. Gerhard Wohland & Matthias Wiemeyer, Unibuch Verlag, 2012.

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